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  • Bergwacht Reichenhall

🚹 22.01.2021 Drei zum Teil schwer Verletzte bei großem Lawinenabgang im Staufenkar


Einheimische werden rund 100 Höhenmeter mitgerissen und verletzt, aber kaum verschĂŒttet


Inzell / Bad Reichenhall – Am Freitagnachmittag gegen 14.40 Uhr sind bei einem Lawinenabgang im oberen Staufenkar auf der Nordwestseite des Hochstaufens drei junge MĂ€nner rund 100 Höhenmeter mitgerissen und dabei zum Teil schwer verletzt worden. Die 33, 25 und 22 Jahre alten Skibergsteiger aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein waren wegen des steilen letzten Abschnitts ohne angeschnallte Ski und mit Abstand im Aufstieg, als sich in rund 1.650 Metern Höhe ein etwa 100 Meter breites Schneebrett mit einer Anrisskante von geschĂ€tzt ĂŒber einem Meter löste, das die Einheimischen mitriss, aber nur zeitweise oberflĂ€chlich verschĂŒttete, so dass sie sich selbst befreien konnten. Ein Ersthelfer, die Bergwacht und die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ versorgten den schwer verletzten 33-JĂ€hrigen, den mittelschwer verletzten 25-JĂ€hrigen und den leicht verletzten 22-JĂ€hrigen und flogen sie ins Tal.

Ein Freilassinger Bergwachtmann war privat im Aufstieg, als sich geschĂ€tzte 200 Höhenmeter ĂŒber ihm der Lawinenunfall ereignete: er setzte sofort bei der Leitstelle Traunstein einen Notruf ab, nahm mit seinem Lawinen-VerschĂŒtteten-SuchgerĂ€t (LVS) auf dem rund 300 Meter langen und 100 Meter breiten Kegel die Suche auf und leistete den beiden leichter Verletzten und dem oberhalb liegenden schwerer Verletzten Erste Hilfe, wobei er vor allem den WĂ€rmeerhalt sicherstellte. Die große Lawine hatte das Staufenkar weitgehend abgerĂ€umt. Die Betroffenen hatten offensichtlich GlĂŒck im UnglĂŒck, dass sie kaum verschĂŒttet und ohne angeschnallte Ski erfasst wurden, die sonst bei nicht ausgelöster Bindung wie ein Anker in der Lawine nach unten ziehen.

WĂ€hrend EinsatzkrĂ€fte der alarmierten Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing, Inzell und Teisendorf-Anger von Aufham und Adlgaß aus mit zwei All-Terrain-Vehicle (ATV) und Skiern in Richtung Staufenkar aufbrachen, nahm „Christoph 14“ in Urwies ein Lawinenhundeteam der Bergwacht auf und setzte es nach kurzer Suche mit der Rettungswinde an der Einsatzstelle ab. Der HundefĂŒhrer ließ seinen Hund zur Kontrolle nochmals das Lawinenfeld ablaufen. Da niemand mehr verschĂŒttet war, brachte „Christoph 14“ in weiteren FlĂŒgen zusĂ€tzliche Bergretter und einen Notarzt per Winde an die Einsatzstelle. Sie versorgten die Verletzen und flogen sie dann sehr zĂŒgig noch innerhalb der ersten Stunde in zwei LuftrettungssĂ€cken und mit einem Rettungssitz nach Urwies aus. Dort standen drei Rettungswagen des Roten Kreuzes bereit, in denen die Patienten weiter untersucht und versorgt werden konnten. Den schwer verletzten 33-JĂ€hrigen brachten die EinsatzkrĂ€fte ins Salzburger Landeskrankenhaus; der mittelschwer verletzte 25-JĂ€hrige und der leicht verletzte 22-JĂ€hrige kamen mit einem weiteren Rettungswagen in die Kreisklinik Bad Reichenhall.

Die Alpine Einsatzgruppe (AEG) der Bayerischen Polizei war mit fĂŒnf BergfĂŒhrern und einem Suchhund im Einsatz und nahm den Unfall auf. Die Besatzung des Polizeihubschraubers „Edelweiß 2“ flog die Beamten dazu an die Unfallstelle und brachte zurĂŒckgelassenes Material ins Tal. Die am Berg verbliebenen zwei Bergretter fuhren mit Skiern ab. Der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht kĂŒmmerte sich in Urwies um einen betroffenen Angehörigen des schwer Verletzten. Das Team des Technikbusses der Bergwacht-Region Chiemgau tankte mit dem Kerosin-AnhĂ€nger die beiden Helis wieder auf. Insgesamt waren rund 60 EinsatzkrĂ€fte beteiligt und teilweise ĂŒber drei Stunden lang gefordert, darunter drei Lawinenhundeteams von Bergwacht und Polizei, zwei Bergwacht-NotĂ€rzte und der Heli-Notarzt, die AEG, die Rettungswagen- und Heli-Besatzungen und der KID. Der Berchtesgadener HundefĂŒhrer stand abholbereit am Bayerisch Gmainer Sportplatz, wurde vor Ort aber nicht mehr benötigt; ein weiteres Hundeteam konnte auf der Anfahrt wieder umkehren.




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