• Bergwacht Reichenhall

🚹31.07.2020: 24-jĂ€hriger Slowene stirbt bei Kletterunfall an der Wartsteinwand

Aufwendige fast sieben Stunden lange Rettungsaktion fĂŒr die Bergwacht und die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“: Retter können Patienten in ĂŒberhĂ€ngender Felswand nur mit 200 Meter Dyneema-Seil erreichen

SCHNEIZLREUTH/JETTENBERG – Ein 24-jĂ€hriger Slowene ist am frĂŒhen Freitagnachmittag in der neuen Kletterroute Mixed Arts (7) an der Wartsteinwand auf der Nordseite der Reite Alpe ums Leben gekommen. Der junge Mann war den Ermittlungen der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) der Polizei zufolge in der schwierigen Route im Vorstieg unterwegs, als ihm in der sechsten SeillĂ€nge kurz vor dem nĂ€chsten Standplatz offenbar ein StĂŒck Fels ausbrach; er stĂŒrzte rund 40 tief ins Seil und riss dabei alle sechs zuvor angebrachten mobilen Zwischensicherungen aus der Wand, wobei er am Fels aufschlug und mit einer Kopfverletzung bewusstlos am Seil hĂ€ngen blieb.

Der erfahrende 24-jĂ€hrige Alpinist war mit einem Landsmann in der Route unterwegs, die sich dadurch auszeichnet, dass man sie hauptsĂ€chlich selbst absichern muss und sie sich im 7. Schwierigkeitsgrad bewegt. Als gegen 13.45 Uhr der Notruf einging, schickte die Leitstelle Traunstein die Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger, den Ruhpoldinger Bergwacht-Notarzt und die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ los. Die EinsatzkrĂ€fte konnten weder den Verletzten noch den Seilpartner in der senkrechten und stellenweise ĂŒberhĂ€ngenden Wand per Heli direkt erreichen, weshalb „Christoph 14“ mit dem langen Rettungstau zwei Bergretter auf einem Felsband knapp unterhalb des Verletzten und vier weitere Bergretter auf einem Band oberhalb der Seilschaft absetzte. Die EinsatzkrĂ€fte ließen einen Retter rund 100 Meter tief am 200-Meter-Dyneema-Seil am Seilpartner vorbei bis zum Patienten und dann mit dem Patienten weiter bis zum unteren Felsband ab, wo die beiden zuvor abgesetzten Bergretter bereitstanden. In einer fliegerischen Meisterleistung schaffte es der Pilot, den 24-JĂ€hrigen von dort aus mit einem Bergretter per Tau abzuholen und zum Landeplatz der Wehrtechnischen Dienststelle Oberjettenberg auszufliegen, wo der Heli-Notarzt und der Bergwacht-Notarzt den Verletzten aber letztlich nicht mehr retten konnten.

Der unverletzte Seilpartner konnte sich selbst abseilen und zu den beiden Bergrettern aufsteigen; „Christoph 14“ holte ihn und die beiden Retter dann mit dem kurzen Rettungstau ab und direkt danach die drei Bergretter am oberen Felsband, die in der Zwischenzeit die Abseilstrecke wieder abgebaut hatten. Die Reichenhaller Bergwacht tankte „Christoph 14“ wĂ€hrend des Einsatzes mit dem KerosinanhĂ€nger wieder auf. Ein BergfĂŒhrer der Berchtesgadener Polizei ermittelt die genauen UmstĂ€nde des tödlichen Unfalls. Die Besatzung des Polizeihubschraubers „Edelweiß $“ flog die Wand zur Unfallaufnahme ab; insgesamt waren drei Polizisten im Einsatz.

Der VerunglĂŒckte war Mitglied einer slowenischen Alpinisten-Gruppe, die sich derzeit zur Aus- und Fortbildung in der Region aufhĂ€lt. Der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht betreut nun den Seilpartner und die anderen Mitglieder der Gruppe. 16 EinsatzkrĂ€fte der Bergwacht waren von 13.45 bis 20.30 Uhr gefordert.


zum BRK-Bericht:

https://www.kvberchtesgaden.brk.de/brk-bgl/aktuelles/11704-31-07-2020-24-jaehriger-slowene-stirbt-bei-kletterunfall-an-der-wartsteinwand.html?hitcount=0




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