Sieben Einsätze: Bergwacht rettet im Schnee Erschöpfte und Verstiegene

vom Predigtstuhl, vom Hochschlegel und vom Hochstaufen

BAD REICHENHALL – Alles andere als ruhige Oster-Feiertage hatten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing und Teisendorf-Anger: Seit der Rettung von sechs Verstiegenen am vergangenen Mittwoch am Hochschlegel (wir berichteten) mussten sie zu insgesamt sechs weiteren Notfällen ausrücken. Nach dem schweren Absturz einer Jägerin am Karfreitag (wir berichteten) waren sie am Ostersonntag und Ostermontag erneut dreimal im Lattengebirge und am Hochstaufen für im Schnee Verstiegene und Erschöpfte unterwegs.

Am Ostersonntag gegen 12.25 Uhr ging ein Notruf von einer Dreier-Gruppe auf der Vorderen Abfahrt am Predigtstuhl ein, da zwei 30-Jährige aus Unterfranken aufgrund des für sie unerwartet vielen Altschnees in der Nordostflanke nach den Spechtenköpfen derart erschöpft waren, dass die durch das stellenweise steile Gelände nicht mehr weiter übers Felsentor in die Schlegelmulde aufsteigen konnten. Die Bergwacht und die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ konnten die Unverletzten auf einem Suchflug orten, in Rettungssitzen sichern, mit der Winde aufnehmen und ins Tal nach Bayerisch Gmain ausfliegen, wo sie die Retter dann per Auto zurück zum Parkplatz brachten. Die Bergwacht war gute eineinhalb Stunden im Einsatz und musste gegen 15.30 Uhr erneut ausrücken, da vom Madlbauer am Thumsee aus vermeintlich um Hilfe winkende Bergsteiger in den steilen und brüchigen Nordwänden des Kranzlsteins gesichtet wurden. Der Einsatzleiter klärte die Lage vor Ort zusammen mit der Polizei ab und konnte nach einer halben Stunde Entwarnung geben, da nur eine dort im Gelände hängende Plane im Wind geflattert hatte, die bereits 2021 zweimal für Aufregung gesorgt hatte (wir berichteten).

Am Ostermontag gegen 14.50 Uhr musste die Bergwacht zur selben Einsatzstelle wie bereits am vergangenen Mittwoch (wir berichteten) ausrücken: Ein 32-jähriges Paar aus dem Landkreis Rosenheim war samt Hund über den Alpgartensteig aufgestiegen und dann versehentlich den Spuren der am Mittwoch verstiegenen und geretteten Wanderer gefolgt, wobei die Frau und der Mann dann rund 50 Höhenmeter unterhalb der Schnee-Wechte am Grat im immer steiler werdenden Hang nicht mehr auf- und absteigen konnten. Elf Bergretter fuhren mit der Seilbahn auf den Predigtstuhl, gingen dann weiter zum Hochschlegel, konnten das Duo orten und dann mit dem Seil über den Steilhang nach oben zum Weg retten. Mit der Seilbahn gings zurück ins Tal, wobei die Bergwacht die Leute noch zurück zu ihrem Auto nach Bayerisch Gmain brachte.

Als die Einsatzkräfte gerade die Rettungsaktion am Hochschlegel beendeten, meldete sich gegen 18 Uhr ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim, das in der Nordwand des Hochstaufens im Absturz-Gelände festsaß. Die 24-Jährigen wollten eigentlich den noch immer winterlichen Pidinger Klettersteig so weit wie bereits möglich gehen, waren offenbar über den Normalweg bis zum Notausstieg gegangen, dann von dort in den Klettersteig gequert, aber zu weit östlich gegangen und rund 100 Höhenmeter durch die Nordwand frei aufgestiegen, bis sie nicht mehr auf- und abklettern konnten. Der Einsatzleiter forderte aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit „Christoph 14“ an, mit dem die Verstiegenen nach längerer Suche aus der Luft gefunden wurden. Der Heli setzte zwei Bergretter am Einsatzort ab und nahm die in Rettungssitzen gesicherten Verstiegenen dann in zwei 80-Meter-Windengängen auf und flog sie nach Urwies ins Tal. Die Bergwacht war bis 19.45 Uhr gefordert. Bericht von Markus Leitner, BRK Rhall