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Pressemeldung Bergwacht Bayern

Aus gegebenem Anlass veröffentlichen wir hier die Pressemeldung der Bergwacht Bayern vom 29.12.2022 zum ARD Spielfilm „Riesending-jede Stunde zählt“ im Wortlaut:


Darstellung der Bergwacht Bayern im Spielfilm


Der Einsatz in der Riesending Höhle im Jahr 2014 stellt im Rettungswesen eine absolute Besonderheit in der alpinen Rettung dar, betreffend der Gesamtsituation und des Umfangs der Maßnahmen. Im Hinblick auf die Dauer des Einsatzes von 11 Tagen und der Beteiligung von über 800 Einsatzkräften ist es wohl unmöglich, das Geschehen in einem Film, unabhängig von der Art und Weise, nachzuvollziehen, ohne dabei auf die Darstellung von einzelnen Sachverhalten zu verzichten. Fernsehspielfilme haben bekanntermaßen nicht das Ziel die Realität abzubilden, sondern Spannung und Emotionen zu erzeugen, um Unterhaltung für den Zuschauer zu bieten. Ob dies an dieser Stelle gelungen ist, darüber entscheiden die Fernsehzuschauer und Fernsehzuschauerinnen.


Wir erlauben uns aber, auch unsere Sicht kurz zu skizzieren.


Dr. Klaus Burger ist Regionalleiter der Bergwacht Chiemgau und war damals mit in der Einsatzleitung: „Gewollt oder ungewollt entstehe, wie viele Rückmeldungen zeigen, leider der täuschend echte Eindruck, dass es sich bei der Produktion „Riesending – jede Stunde zählt“ um eine Dokumentation handle und die Handlungen und Sichtweisen der Bergrettung im Film der Realität entsprächen. Die künstlerisch zwar zulässige Vermischung von Realität und Fiktion spiegeln aber nicht den Rettungswillen und die Kompetenzen unserer ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter wider. Die Bergwacht wird insofern in ein falsches Licht gerückt, was unsere hochmotivierten ehrenamtlichen Frauen und Männer nicht verdient haben. Nach anfänglich zwingend notwendiger Lagefeststellung und Beurteilung war sehr bald klar, dass alles unternommen wird, um eine Rettung zu ermöglichen und dass für diese Extremsituation zwingend weitere Kollegen für die Höhlenrettung in diesen Tiefen aus dem Ausland notwendig sind. Von Beginn an arbeiteten alle Beteiligten eng zusammen und unterstützten im Team den gesamten Einsatz.“


„Unsere ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter sind maximal flexibel, hochmotiviert und bereit, mit Risiken und Unsicherheiten umzugehen, um bestmögliche Hilfe zu ermöglichen, egal in welchen Situationen und wie die Bedingungen sind“, ergänzt Thomas Küblbeck von der Bergwacht Marktschellenberg, ehemaliger Regionalleiter und Einsatzleiter beim Einsatz in der Riesendinghöhle. Der „Star“ dieses Einsatzes war für ihn die „Mannschaft“, bestehend zum einem aus den Höhlenrettern aus der Schweiz, Italien, Kroatien, Österreich und Deutschland bzw. der Bergwacht, zum anderem aber ganz wesentlich auch aus den vielen ehrenamtlichen und professionellen Einsatzkräften, die für Logistik, Versorgung und Transport gesorgt haben, sei es von der Bergwacht, den Hilfsorganisationen, der Bundeswehr, der Bundes- und Landespolizei und der Feuerwehr.


Die Unterstützung für alle notwendigen Aufwendungen war von Beginn an von den örtlichen Behörden, dem Bayerischen Innenministerium sowie der Bevölkerung im Berchtesgadener Talkessel gegeben. „In keiner Weise nimmt der Film diese Wirklichkeit auf“, so Küblbeck.


„Leider findet genau das Gegenteil statt. Auf Kosten der Bergwacht und deren ehrenamtlichen Einsatzkräften wird eine schwarz/weiß Welt gezeichnet. Wir fragen uns, was hier die Motivation ist und was letztendlich die Aussage des Films sein soll, wenn ein Realitätsanspruch besteht, gleichzeitig aber eine ganze Organisation diskreditiert wird, um Spannung zu erzeugen“, bemerkt Roland Ampenberger, der Pressesprecher der Bergwacht. „Wir sind in Sorge, dass sich die Darstellung dieses Rettungseinsatzes alles andere als positiv auf die Motivation unserer Einsatzkräfte, insbesondere aber auch auf alle ehrenamtlichen Aktiven anderer Hilfsorganisationen, auswirkt. Gerade in dieser für die Gesellschaft schwierigen Zeit sollte doch das Gemeinsame im Mittelpunkt stehen. Hier stehen wir alle in der Verantwortung.“


Zur Zusammenarbeit in der Höhlenrettung Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und die Bergwacht Bayern pflegen sehr gute Beziehungen, die nach dem Einsatz von 2014 noch weiter ausgebaut wurden. So haben Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Bad Cannstatt, welche die Höhle bis heute weiter erkundet, und Höhlenretter der Bergwacht in den Jahren nach dem Unfall gemeinsam die Höhle von den Hinterlassenschaften der Rettungsaktion in mehrtägigen Aktionen geräumt. Noch im gleichen Jahr des Einsatzes haben sich alle beteiligten Höhlenrettungsorganisationen gemeinsam mit den Höhlenrettern der Bergwacht Bayern über die gewonnenen Erkenntnisse ausgetauscht und sind weiterhin in gutem Kontakt. Gerade durch den gemeinsamen Einsatz im Riesending wurde die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Höhlenrettung im Alpenraum stark gefördert.


Pressekontakt / Bergwacht Bayern

Roland Ampenberger

roland.ampenberger@bergwacht-bayern.org



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